Bezirk

Steffen Kern zum Thema „Sehnsucht“

Unser LaJu-Referent am Sonntag: Steffen Kern zum Thema „Sehnsucht“

Jochen Baral hat ihm für euch einige Fragen gestellt – sehr interessant – lest selbst. (Steffen Kern, Pfarrer und Journalist, bekannt durch viele Bücher, CDs und natürlich durch den JuGo Stuttgart und bald zukünftiger Vorsitzender der Apis, hier noch mehr: www.steffen-kern.de)

 

1)     Was fällt dir spontan zum Thema Sehnsucht ein?

 

Oh, beim Stichwort Sehnsucht denke ich an einen Abend im Hotel, weit weg von Zuhause, weit weg von meiner Frau und meinen Kindern. Dann kommt so ein bisschen Heimweh auf. Das Gefühl, dass ich sie vermisse und gern bei Ihnen wäre. Das ist für mich ein Stück erlebte Sehnsucht. Da mischt sich eine tiefe Dankbarkeit mit ein bisschen Wehmut; das ist schön und schmerzlich zugleich.

 

2)     Was waren bei dir in der Teen-/Jugendzeit deine Sehnsüchte?

 

Na ja, nach meinen Kindern hab ich mich damals noch nicht gesehnt. Die gab es ja noch nicht. Aber ich erinnere mich schon daran, dass ich mich nach einem Platz im Leben gesehnt habe, an dem ich einmal zuhause sein kann. Dazu gehörte für mich eine Ehefrau – die kannte ich damals auch noch nicht J - und ein Beruf, der mich ausfüllt. Das waren damals große Fragen, die für mich damals ganz offen waren – und große Sehnsüchte und Träume. Ehrlich gesagt, wenn ich so zurück denke, werde ich richtig dankbar. Gott hat mir bis heute viel geschenkt.

 

3)     Was denkst du, wie man am besten mit seiner Sehnsucht umgehen kann?

 

Bestimmt ist es erstmal gut, sich einzugestehen, wonach man sich sehnt: etwa nach einem Menschen, der mich liebt, nach Anerkennung, Wertschätzung usw. Es hilft sicher, mit jemandem, dem man vertraut, darüber zu reden. Und es hilft, mit Gott darüber zu reden. Sehnsüchte aussprechen – das geht nirgends besser als im Gebet. Unser Vater im Himmel versteht uns. Er hört und er trägt uns. Und manchmal, wenn es nach seinem Willen ist, erfüllt er uns sogar unsere Herzenswünsche, freilich auf seine ganz eigene Art.

 

4)     Ist Jesus so das All-Heilmittel bzw. der Stiller aller Sehnsüchte?

 

Bestimmt nicht. Viele Sehnsüchte und Wünsche bleiben offen. Aber Jesus stillt die letzte, die tiefste Sehnsucht, die wir Menschen haben: nämlich die Sehnsucht nach Gott. Wir sind von ihm geschaffen und auch auf ihn hin. Wir sind bestimmt zur Beziehung mit ihm. Wir sind bestimmt zum ewigen Leben. Diese Sehnsucht hat Gott in unser Herz gelegt. Und diese Sehnsucht kann kein noch so lieber Mensch dieser Welt stillen, sondern allein Jesus Christus.

 

5)     Wie erlebst du das konkret?

 

Dass ich bei Jesus zuhause bin und in ihm alles habe, was ich zum Leben und Sterben brauche – das erlebe ich etwa im Gebet, während einer Predigt, die mich anspricht, beim Singen oder wenn mir eine Bibelstelle zu Herzen geht. Vieles in meinem Leben kann zerbrechen, mein Besitz, meine Gesundheit, meine Beziehungen, aber ich weiß: Jesus bleibt bei mir. Das tief im Herzen zu wissen, ist ein Geschenk. Letztlich ein Wunder. Genau das ist Glauben.

 

6)     Was würdest du als Theologe zu diesem Thema sagen?

 

Genau das, was ich eben als Mensch gesagt habe.

 

7)     Gibt es 2 knackige, zentrale Bibelstellen, die dir hier Mut machen?

 

Ein starker Ausdruck unserer Sehnsucht nach Gott ist Psalm 63, etwa Vers 2: „Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus trockenem, dürren Land, wo kein Wasser ist.“

 

Ohne Gott vertrocknen wir. Wir gehen ein wie ein Primel in der Sonne. Ein Kennzeichen unseres Lebens ist, dass wir Durst haben: Durst nach Gott.

Wie stark ist es da, wenn Jesus sagt in Johannes 4,14: „Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten.“

 

Durst nach Leben

Solange wir leben, haben wir Durst.
Länger als drei Tage halten wir es ohne Wasser nicht aus.
Es ist geradezu ein Kennzeichen des Lebens:
Leben heißt Durst haben.

Aber wir haben nicht nur Durst nach Wasser.
Wir haben noch einen ganz anderen Durst:
Tief in uns steckt eine große Sehnsucht.
Wir haben Ziele. Wir haben Träume.
Kennen Sie ihn auch, diesen "Durst"?

Vielleicht träumen Sie von der Traum-Karriere.
Vielleicht träumen Sie vom Traum-Haus.
Vielleicht träumen Sie von der Traum-Frau oder dem Traum-Typ.

Doch das Ziel all unserer Träume ist Gott selber.
Eigentlich ist das ja kein Wunder.
Schließlich hat uns der Schöpfer ja geschaffen.
Von ihm kommen wir her, und auf ihn hin sind wir geschaffen.

Der Psalmbeter, David, hat das begriffen.
In Psalm 63 schreibt er:

"Gott, du bist mein Gott, den ich suche.
Es dürstet meine Seele nach dir,
mein ganzer Mensch verlangt nach dir
aus trockenem, dürren Land, wo kein Wasser ist."

Gott will unseren Durst stillen.
Er will, dass wir das volle Leben haben.
Er will unsere Sehnsucht erfüllen.

Deshalb, suchen wir doch nicht an ihm vorbei!
Kommen wir mit unserem Durst zu ihm.
Und bitten wir unseren Vater im Himmel darum, dass er unseren Durst stillt
- unsern Durst nach erfülltem Leben.

 

© Steffen Kern